Abreise Chaos

Ja, auch diese Zeit hier in Schweden geht vorbei und ich habe zwar meine Abreise hier ordentlich vorbereitet. Trotzdem gab es doch unvorhersehbare Pannen, die sich lohnen hier weiter zu beschreiben. Es fing schonmal damit an, dass ich nicht wie erwartet mit dem Auto abgeholt werden sollte, sondern nach Berlin flog. Eigentlich nicht so das Problem, den Flughafen kannte ich inzwischen, den Flug hatte ich auch schon im Mai gebucht, aber ich hatte inziwischen sehr viel Gepäck. Klar, einiges habe ich schon meinem Besuch wieder mitgegeben, aber es blieb noch genug übrig um mir sorgen zu machen. Ich hatte zwei Reisetaschen. Diese Sorge schrie doch gerade nach einer Probepack-Aktion, die dann auch eine Woche vor Abflug stattfand. Ergebnis dieser Aktion war, dass es ganz knapp klappen könnte. Das waren dann aber ungefähr zwei Hantücher zuviel Risiko für mich und ich beschloß mir irgendwo ein Paket zu besorgen, nur für den Fall der Fälle. Das Paket war garnicht nötig, als ich am Samstag vor meinem Abflug über den Campus schlenderte und mir ein schöner weinroter Koffer ins Blickfeld sprang. Vor verlassenen Koffern brauch man in Växjö auf dem Campus eigentlich keine Angst haben oder die Polizei rufen, also nahm ich ihn mit.

Öffnen konnte ich ihn spontan nicht, weil er mit einem kleinen Zahlenschloss ausgestattet war, aber er fühlte sich leer an. Vor PG 10 versuchte ich ihn dann erstmal zu öffnen. Ich konnte den Code für das Zahlenschloss durch genaues Lauschen herausfinden und fand aus nichts ausser einer Kerze. Ok, keine Bombe, jetzt hatte ich also einen Koffer!
Nun stand meiner Echt-Pack-Aktion nichts mehr im Wege: Der Koffer war so groß, dass ich sogar erst eine Reisetasche in einen Gefrierbeutel quetschte und sie auch in den Koffer legte.

Am Abend vor meiner Abreise war dann nicht mehr viel mit Packen. Die Iraner haben ein persisches Gericht gekocht und es gab Sofies Kladdkaka zum Nachtisch. Wir waren am Ende soo vollgefuttert, dass wir noch auf dem Campus spazieren gegangen sind. Es war dann schon nach 23.00 Uhr und die Verdauung hatte bis dahin schon so gute Dienste getan, dass wir noch bis 0.30 Uhr in Blaubeerbüschen auf dem Campus am See saßen und Blaubeeren futterten. Geschlafen hab ich dann auch ein wenig aber am Morgen (4.00 Uhr!) kam ein Schreck nach dem anderen. Um 4.30 fiel mir auf, dass ich ein Handtuch und ein paar Kopfhörer beim besten Willen nicht mehr reinkriege - aber hey, ich hatte ja noch den Gefrierbeutel mit Reisetasche No.2! Also, Koffer wieder auf, alles etwas lockerer gepackt und um 5.00 standen dann drei statt zwei GEpäckstücke reisefertig auf dem Flur! Fast …. der Koffer ging wieder auf als Sofie und ich ihn hinstellten! Na, jetzt weiß ich warum den niemand haben wollte! In geschlossenem Zustand fast tadellos, aber wenn man ich packt (und nicht mal zu voll!) geht der nicht zu! Naja, in diesem Moment konnte ich nun nix mehr machen und änderte meine Anti-Risiko Einstellund in die No-Risk-no-Fun Einstellund und los gings zum Flughafen. Ich hätte ja aufgrund meiner Flygbuss-Erfahrung mit ca. einer halben Stunde Fahrt gerechnet, aber Sophie fuhr das Auto… also waren wir in 15 Minuten am Flughafen. Dort haben wir dann mit der Stewardess über den mit Schließmacken behafteten Koffer gesprochen und sie hatte genug Klebeband um alles fein zu verarzten - ja, der Koffer sah wirklich verarztet danach aus. Aber es hat gehalten und sie hat sich gefreut, dass uns das vorher aufgefallen ist. Es folgte eine lange Abschiedszeremonie von meinen Nachbarn aus PG10, was zu traurig zu beschreiben wäre und dann ging es ins Flugzeug nach Hause….

P.S.: Der Koffer öffnete sich erst wieder auf dem Parkplatz vom Flughafen Tegel, puuhh, das wär geschafft!

Midsommar

Zwangsläufig habe ich hier schon in den letzten Wochen gemerkt, dass es hier nachts wirklich sehr viel heller als in Berlin ist. Gestern war dann der Misommarabend, der längste Tag des Jahres und der wird hier in Schweden groß gefeiert. PG 10 ist inzwischen wie ausgestorben. Wir waren letzte Woche nur noch zu fünft, weil alle anderen abgereist sind. Für Midsommar hat uns Sophie alle zu sich nach Hause nach Basthult eingeladen. Naja, zwei meiner Nachbarn hatten schon etwas vor, deshalb schloß ich mich meinen anderen zwei iranischen Nachbarinnen und ihren drei iranischen Freunden an.

Eine halbe Stunde bevor der Bus abfahren sollte, fiel ihnen ein, dass der Bus doch ganz schön teuer war. Sie konnten also noch ein Auto auftreiben und dann stellte sich aber die nächste Frage: Wo geht es lang? Keiner wußte den Weg und niemand hatte eine Karte, die ganz Småland beinhaltete. Wir beschlossen also dem Bus zu folgen und hielten das für eine sehr gute Idee. Da wir zu sechst waren mußte sowieso einer mit dem Bus fahren und wir würden dem Bus folgen. Es ging auch alles gut. Der Bus war knallgelb und wir folgten. Schwierig wurde es auf der Landstraße, als der Bus plötzlich auf einen nur für Busse zugelassenen Halteplatz fuhr. Um den Bus nicht zu verlieren, folgten wir, drehten kurz vor dem Verbotsschild um und verhielten uns wie Touristen, die den falschen Weg eingeschlagen hatten. Der Bus verließ den Halteplatz wieder und wir waren ihm wieder auf den Fersen. Das zog sich bis Högsby hin, wo uns Sophie von der Haltestelle abholte. Ein Glück auch. Als wir in Högsby ankamen stiegen außer Behnaz, die wegen der 5-Personen-Grenze Bus fahren mußte, auch der Busfahrer und ein paar andere aufgeregte Leute aus dem Bus aus. Alle außer Behnaz, die kein Schwedisch spricht oder versteht, versammelten sich um den Bus und diskutierten. Es stellte sich heraus, dass der Busfahrer die Polizei alarmieren wollte, weil er dem Auto, welches ihn seit Växjö verfolgt nicht traute. Er hat sich ernste Gedanken gemacht und hielt es für besser das der Polizei zu melden. Unser Glück war, dass Sophie nicht nur Behnaz jubelnd in die Arme fiel, sondern auch unserem Auto zujubelte, sich freute und uns zeigte wo wir halten können. Da hat der Busfahrer zum Glück erstmal Sophie ausgehorcht und das Telefon wieder eingesteckt.

Danach ging es über smålandische Dörfer zum Midsomerfest. Mir schien als würden wir uns mitten im Nirgendwo befinden. Sophie fuhr vorne weg und das nicht zu langsam! Es ging über Feldwege und manchmal auch quer durch den Wald. Das alles mit gefühlten 90 km/h. Eigentlich waren es “nur” 60-70, aber das auf diesen Wegen mit all den Kurven…. Sophie kannte die Wege wirklich im Schlaf. Trotzdem würde mir eine Fahrt auf einer überfüllten Budapester Straße oder der Kudamm zur Hauptverkehrszeit weniger ausmachen als das! Naja, auch das habe ich überstanden. Und es hat sich gelohnt: Wir kamen auf einem Festplatz ein wenig außerhalb eines der kleinen Dörfer an. Es waren schwedische Flaggen gehiisst und uns ritten schon vor dem Eingang Mädchen mit Blumenkränze entgegen. Die kann man hier übrigens schon fertig kaufen (mit einem stabilen Ring innen). Ich habe aber meine ganze Errinerung herausgekramt und habe auch einen anständige Kranz selbst machen können. In der Mitte stand der Midsommarbaum und die ersten Kinder tanzten drumherum. Laut singend natürlich! Bald ging dann auch richtig die Musik los und alle sangen und tanzten um den Baum herum - auch mit Rollator! Meinen Fotoapparat habe ich leider im Auto vergessen, aber YouTube kann das auch: Ihr hört das Lied, was am meisten gesungen wurde und bei dem es um kleine Frösche geht.

Nach dem Tanz sind wir dann nach Basthult gefahren. Fahrweise, siehe oben… aber auch diesal kam ich heil an. Nach einer kurzen Fika in Basthult sind wir zum See gelaufen um zu baden. Obwohl als (Mid)Sommer bezeichnet, war es nicht besonders warm. Nicht für mich jedenfalls. Die vier Schweden unter uns sind ohne mit der Wimper zu zucken in den See gesprungen. Kalt! Aber ein Erlebnis.

Dann ging es weiter zum Fischerhaus, was direkt am See liegt. Auch ein Boot war da, mit dem Sophies Opa jeden Morgen zum fischen fährt. Das zweite Boot haben wir auch irgendwo am Ufer eingesammelt und vor dem Essen noch eine Bootstour gemacht. Die Zeit verging recht schnell. Wir Mädels haben der Tradition nach sieben verschiedene Blumen gepflückt, um sie dann unter unser Kopfkissen zu legen. Dann sollte man von demjenigen träumen, den man heiratet…. man darf nur nicht verraten von wem man geträumt hat. Dann warteten wir, dass die Sonne ein bißchen unterging. Sie tat uns diesen Gefallen für ca. eine Stunde zwischen ein und zwei Uhr morgens. Um drei Uhr morgens als ein Teil von uns (inkl. mir) wieder ins große Haus ging war es schon wieder hell. Kaum dass ich mich ins Bett legte schien mir die Sonne schon ins Gesicht! Eine tolle Midsommarnacht!

Naja, eine rockigere Version, aber das war jedenfalls das Lied….

The Book Search Mashup

Puuuh, geschafft! Jedenfalls fast! Meinen Kurs, den ich hier studiert habe ist nun zu Ende. Es war der Kurs “Intelligent Multimedia Systems” und war wirklich sehr interessant. Es gab mehr als eine Vorlesung in der ich nur staunend da saß und an den Lippen des Dozenten klebte! Ich konnte mir ja einiges unter Web 2.0 vorstellen. Hab auch was darüber gelesen und .. naja, hatte eben eine Vorstellung. Aber die Erwartungen wurden übertroffen und ich habe mehr gelernt als ich gedacht hätte. Zum Bestehen dieses Kurses muß man am Ende ein Projekt abgeben. Es sollte ein (möglichst implementiertes und funktionsfähiges) Mashup sein. Es sollte auch möglichst noch nicht dagewesen sein. Naja, das mit der Koordination der Gruppen lief etwas verquer, sodass ich eine Woche vor Abgabe erfahren habe, dass das Team in dem ich eigentlich war, kein Team mehr ist sondern nur noch aus mir besteht. Ich hab mir also kurzentschlossen ein neues Thema gesucht von dem ich überzeugt war. Dieses Thema war dann ein Mashup für einen Bibliothekskatalog. Ich fand das sehr innovativ! Schon als in den Vorlesungen auf Mashups eingegangen worden war, hab ich mich gefragt, warum ich denn nach einer erfolgreichen Suche im VÖBB nicht auch gleich eine Google Maps Karte bekomme, wo alle besitzenden Bibliotheken angezeigt werden. Warum kann ich nicht, wie bei Amazon lesen worum es in einem Buch geht? Nur weil es in den Regeln für die Alphabetische Katalogisierung keine Kategorie für “Klappentext” gibt? Warum werden so sorgfältig von BibliothekarInnen eingepflegte Schlagworte nicht cleverer für eine semantische Suche genutzt? Neee, das geht auch besser! Das war also mein Projekt. Ich habe natürlich nicht alles implementiert, dazu fehlte die Zeit. Aber ich hab einen Anfang gemacht: Ich habe schonmal die Suchergebnisse der Deutschen Nationalbibliothek (jetzt DDB) mit Buchcovern versehen. Nur so gut es ging natürlich. Ich wollte die Bilder über die Amazon API holen, aber die verlangten von mir zur Registrierung meine Steuernummer. Hab ich nicht, und schon garnicht mal hier. Also hab ich mich auf eine einfache Google Bildersuche verlassen und hab damit auch ein paar Bilder aus der Google API geholt. Das zweite was noch implementiert wurde ist ein RSS feed über neu erschienene ebooks, frei downloadbar vom Projekt Gutenberg. Alles andere hab ich fein theoretisch auseinandergenommen. Jetzt juckt es mir natürlich in den Fingern! Das könnte alles sehr gut klappen, auch weil es inzwischen möglich ist eine Suchanfrage via Z39.50 (einem Protokoll, was speziell für die Übertragung von bibliothekarischen Daten da ist) an einen Bibliothekskatalog über HTTP zu machen. Das erleichtert einiges. Jetzt hab ich alles fertig, habe letzte Woche meine 8 Seiten umfassende Hausarbeit abgegeben und hatte heute die Präsentation und Vorführung. Es klappte ein glück auch mit den Suchvorschlägen der Professoren, also jetzt nur noch auf die Note warten!